Leipziger Moment: Die Karli lebt?

karli lebt fragezeichen

Zur Feier des 2. Jahrestages ihres Blogs „Leipzig leben“ lädt Adelina Leipziger Blogger dazu ein, einen Leipziger Moment zu schildern und zu teilen. Mit diesem Beitrag über einen Moment, der uns mit Sorge erfüllt, reihen wir uns in die Riege der Gratulanten ein. 

Unser „Leipziger Moment“ begann ganz konkret am 6. Januar diesen Jahres und, wir wissen es bereits, es wird ein sehr sehr langer Moment sein. Die Bauarbeiten auf der Karl-Liebknecht-Straße haben begonnen und werden 2 Jahre lang andauern. Der Auftakt zur Dauerbaustelle war härter als erwartet, die ansässigen Gewerbetreibenden und Gastronomen beklagen Umsatzrückgänge von 30 bis 50 Prozent. Die Karli zeigt ein so menschenleeres Gesicht, daß einem manchmal fast unheimlich wird. Selbst die Radfahrer, die sich bei der Sommerbaustelle 2013 glücklicherweise so gar nicht darum scherten, daß sie eigentlich auf Arthur-Hoffmann- und Bernhard-Göring-Straße hätten ausweichen sollen, sind jetzt irgendwie einfach verschwunden.

Natürlich wollen wir optimistisch bleiben. Leicht ist das nicht, denn es ist zu einfach, sich vorzustellen, wie das lebendige Netzwerk der Karl-Liebknecht-Straße über die lange Bauzeit einfach zerfasert: Wie langsam die ersten Läden verschwinden (dies hat schon begonnen) und wie es als nächstes vielleicht auch die ersten Gastronomien trifft. Und ebenso die Wohnungen, in die, sollten sie leer werden, keiner mehr wird einziehen wollen – so mit der Baustelle vor der Nase die nächsten zwei Jahre und der komplizierten Anreise und dem schwindenden Angebot rundherum und so. Doch die Karli ist, was sie ist, weil ihr Angebot so vielfältig und ihr Umfeld so belebt ist. Jeder Gewerbetreibende hier profitiert vom Dasein der Anderen. Es ist das Gesamtpaket, das die Straße attraktiv macht: Der Kaffee nach dem Termin beim Optiker, der Einkauf im Spielzeugladen nach der Babygymnastik, und auf dem Weg zu den Freunden, die um die Ecke wohnen, mal eben noch die Schuhe zur Reparatur gebracht. Genau daher drängt sich so leicht die Befürchtung auf, daß da ein Strudel entstehen kann, der am Ende alle(s) wegreißt.

Aber natürlich wollen wir optimistisch bleiben. Vielleicht wird alles besser, wenn das Wetter besser wird. Wenn die Leute herausgefunden haben, daß sie auch als Kunden und Besucher zu den „Anliegern“ zählen und sich nicht mehr vom „Einfahrt verboten“-Schild einschüchtern lassen, sondern sich vom „Frei bis XY-Straße“-Schild leiten lassen. Wenn sie die „Karli dicht“-Schlagzeilen verdaut oder vergessen haben und sich selbst aufmachen, zu entdecken, wie und wo es lang geht. Und wenn sie sich bewußt machen, daß sie auch selbst und mit den Füßen abstimmen müssen, wenn sie ihren Kiez halbwegs so behalten wollen, wie sie ihn kennen. Kauft vor Ort, sonst sind sie alle alle fort…

Und wir bleiben optimistisch. Die Hoffnung darauf, daß die bisher sichtbaren, aber nicht wirklich nachhaltigen Bemühungen seitens der Bauherren zu einem tatsächlich verinnerlichten Verständnis für die Bedürfnisse der Anrainer werden, besteht weiter. In der IG Karli und im Alltag sind die Gewerbetreibenden der Karli zusammengerückt und tauschen sich aus. Vertreter der IG Karli setzen sich weiterhin engagiert ein und kommunizieren nach innen wie nach außen. Straßenfeste und ein lebendiges Karli-Beben sind in Planung.

Die Karli lebt!

 

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5 Kommentare zu “Leipziger Moment: Die Karli lebt?

  1. Oh je. Ich gebe zu, ich bin schon abtrünnig geworden. Teilweise jedenfalls. Mein kleiner Bioladen, zu dem ich seit Jahren gehe, hat am 23.12. geschlossen mit den Worten „Die Baustelle kommt, wir gehen“. Leider hat er versäumt, seinen Kunden mitzuteilen, wo er hin zieht. Und zum großen gerne eine Kette werden wollenden gegenüber gehe ich aus Überzeugung nicht. Kaufe stattdessen wieder in der Prager Straße den Biokram, der nicht geliefert wird.
    Jetzt, nach diesem Blog, habe ich ein schlechtes Gewissen. Aber nein, in den großen Laden kann ich nicht. Aber alles andere mache ich weiter auf der Karli, versprochen. Baustellen haben mich noch nie abgehalten

    • Genau, nur nicht abhalten lassen!

      Den Bioladen, also den Kleinen, der im Volkshaus war, findest du noch mal in der Körnerstr., den „Lebensgarten“. Dieser hatte damals den Laden vom Schreiter (Naturkostkontor) übernommen. Ist von Dir aus sicher ein kleiner Umbogen, aber falls Du sowieso mal in der Ecke bist… ;-)

  2. Pingback: ♥ ♥ ♥ 32 Leipziger Lieblingsmomente ♥ ♥ ♥

  3. Pingback: Kein Entrinnen | Inch's Blog

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