Vo̱r·stän·din, die

blumen für feinkost vorstand

Blumen für die Vorständinnen der Feinkost gab es letzten Monat. Der Vorstand dankt!

Neulich stand es in der LVZ, zu Jahresbeginn war es auch schon in anderen Tageszeitungen zu lesen: die Vorständin wird in den Duden aufgenommen. Sprachpingel empfinden das als unnötig und unlogisch. Einerseits, weil der „Vorstand“ zuallererst bzw. ursprünglich das Gremium und nicht die Person meint (obwohl sich, das muß jeder zugeben, die Bezeichnung einer konkreten (männlichen) Person als (beispielsweise) „Vorstand Max Mustermann“ durchaus eingebürgert hat. So richtig rund klingt das aber eben nur mit Männernamen). Andererseits, weil eine geschlechtsneutrale Form der Personenbezeichnung mit „Vorstandsmitglied“ durchaus gegeben ist. Das stimmt natürlich.

Was das nun mit der Feinkost zu tun hat? Nun ja. Wir haben hier auch ein Gremium Vorstand; dieses ist derzeit besetzt mit zwei Frauen. Wollte man herausstellen, daß es sich um Frauen handelt, müßte man, gäbe es keine „Vorständin“, auf ein langatmiges und irgendwie umständliches „weibliches Vorstandsmitglied“ zurückgreifen. Insofern schon mal ein kleiner Pluspunkt für die Vorständin. Weshalb das Thema aber zuerst meine Aufmerksamkeit auf sich zog, war ein ganz praktischer Beweggrund. Es ist nämlich durchaus so, daß unser weiblich besetzter Vorstand schreibende Dritte verwirrt – auf das neutrale „Vorstandsmitglied“ kommt dann eigentlich keiner, statt dessen ist in der Presse oder in Anschreiben und Dokumenten dann zu lesen, jemand hätte mit der „Vorstandsvorsitzenden“ gesprochen. Leider falsch – es ist uns immer wichtig, zu betonen, daß es innerhalb unseres Vorstands keinen Vorsitz gibt, nur eben zwei gleichrangig agierende Menschen. Doch selbst längere Erklärungen zu dem Thema haben meist trotzdem dazu geführt, daß am Ende wieder – offenbar aufgrund eines gefühlten Mangels an Alternative – eine Vorstandsvorsitzende aus einer von uns beiden gemacht wurde.

Das ist nun auch wieder pingelig, kann man sagen – aber es ist so, das stört uns, denn es entspricht weder der Wahrheit noch unserem Verständnis unserer gemeinsamen Tätigkeit. Und die neue (bzw. neuerdings vom Duden abgesegnete) Vorständin gibt all jenen, denen der Umgang mit nicht-vorsitzenden weiblichen Vorstandsmitgliedern bisher schwerfiel, eine passende und gute Alternative, jedenfalls auf sprachlicher Ebene. Und deswegen, muß ich sagen, finde ich die Vorständin gut. Auch wenn sie sich (als Wort und überhaupt) gesellschaftlich vielleicht erst noch durchsetzen muß.

In der taz ist das Wort übrigens schon seit 2011 in Gebrauch; allerdings nicht sehr häufig, was seinen Grund aber nicht im Wort selbst haben dürfte. Bei Siemens hingegen, weiß die FAZ zu berichten, bleibt Vorstand Brigitte Ederer Vorstand und wird nicht zur Vorständin. Jedenfalls, bis sich der allgemeine Sprachgebrauch auf die Vorständin eingestellt hat. Mal sehen, wie lange das dauert.

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2 Kommentare zu “Vo̱r·stän·din, die

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