Karli-Umbau: Aber bitte mit Rücksicht // + Presseschau

Jetzt wurde schon so einiges über die Karli-Baustellenplanung geschrieben (eine kleine Presseschau gibt’s untendran) und die IG Karli hat bei Facebook schnell viele Unterstützer gewonnen. Auch die Politiker äußern sich positiv (jedenfalls die, die sich bisher so äußern). Soweit, so gut: hoffen wir das Beste.

Und die Hoffnung ist da: schließlich war eine beispielhafte Bürgerbeteiligung organisiert worden, als es um die zukünftige Gestaltung der Karli ging. Man kann nicht davon ausgehen, daß die Stadt dieses positive Image zerstören möchte, indem sie nun in Sachen Bauplanung einem Radikal-alles-egal-Kurs folgt. Und, wie bereits erwähnt, dürfte ja auch der Stadt Leipzig eine weiterhin lebendige und funktionierende Karli durchaus am Herzen liegen. Geschürt wird die Hoffnung natürlich auch dadurch, daß offenbar eine Alternative für den Bauablauf, welche die Unterteilung in 4 Bauabschnitte vorsieht, bereits vorliegt.

Hart genug für alle Anlieger wird das trotzdem. Aber es ist ja nicht so, daß sich jemand gegen das Bauen an sich sträubt: die Notwendigkeit der Sanierung der Karli sieht jeder ein. Der Spaß, mit dem alten Fahrrad-Klepper sogar noch mal („bergauf!“) die Straßenbahn zu überholen (während die Autos hinterdreinschlängeln müssen), hat sich ja auch langsam überlebt. Daß man sich für eine sanierte Karli auch auf baustellenschwere Zeiten einstellen muß, ist klar. Daß man diese Belastung aber für alle Betroffenen möglichst kurz halten muß, sollte auch klar sein.

Überhaupt, die Betroffenen: wer ist das eigentlich? Liest man so manchen Presse-Beitrag, möchte man meinen, die Karli bestünde ausschließlich aus Kneipen und ihren Wirten. Jedoch: es gibt auch Menschen, die hier wohnen, die ebenfalls mit Sorge auf so eine Dauerbaustelle blicken. Und mindestens ebenso besorgt wie die Gastwirte sind auch alle anderen Gewerbetreibenden, denn das kleinteilige Gewerbe ist auf der Karli (zum Glück! noch!) vorhanden und bildet ein durchaus schützenswertes Milieu (die Rechtschreibprüfung möchte daraus ein schätzenswertes machen, das ist natürlich auch nicht falsch). Buchläden, Kunstgewerbe, Spielzeug, Mode, Leuchten, Schuhmacher, Konzerttickets, Möbel & Einrichtung, Fotografien, Tee & Kräuter, Videoverleih, Anwälte, Ärzte, Bagels, Bioläden, Schuhläden, Wasserbetten, Reinigung, Schuster & Schlüsseldienst, Bäcker, Späti, Friseur, Tättowierer, Feinkost & Wein… das alles gibt es – neben den Kneipen – auf diesem Karli-Abschnitt (jetzt nur mal aus dem Stehgreif, ohne Anspruch auf Vollständigkeit). Das heißt auch: so viele Menschen haben sich selbständig gemacht, haben Geld in die Hand genommen, um einen Laden, eine Werkstatt, ein Dienstleistungsunternehmen oder eben eine Gastwirtschaft aufzubauen, einzurichten, und zu betreiben. Sie stellen ein und bilden aus. Und auch stadtteilbelebende und kulturelle Angebote wie der Feinkostflohmarkt oder Sommerkino und Sommertheater hätten unter einem zweijährigen „Flanierstop“ auf der Karli stark zu leiden. Doch nur das alles zusammen macht die Karli zu dem, was sie ist, zu einer lebendigen Geschäftsstraße in einem lebenswerten Stadtteil.

Kleine Presseschau #IG Karli:

Bauvorhaben „Karli“: Schon 2013 halten Großbaustellen und Umleitungen den Leipziger Süden in Atem – 05.11.2012, L-IZ

Konrad Riedel zum Umbau der Karl-Liebknecht-Straße: Kneipen und Läden brauchen schon während der Bauzeit Unterstützung – 05.11.2012, L-IZ

Politik stärkt Karli-Wirten den Rücken – 03./04.11.2012, LVZ

Karl-Liebknecht-Straße: Varianten zum Bauablauf werden am 28. November im Interessenbeirat diskutiert – 03.11.2012, Stadt Leipzig

Dr. Sabine Heymann (CDU): Wahrung der Interessen der Karli-Wirte – 02.11.2012 CDU-Fraktion, via L-IZ Melder

Nach großem Tamtam der Karli-Kneipiers: Stadt und LVB weisen auf Existenz des Interessenbeirats hin – 02.11.2012, L-IZ

Christopher Zenker: SPD Leipzig fordert tragbare Lösung beim Ausbau der Karl-Liebknecht-Straße – 02.11.2012, SPD Leipzig, via L-IZ Melder

„Das übersteht niemand von uns“, 02.11.2012, LVZ

Ausbau der Karl-Liebknecht-Straße in Leipzig: Anwohner fürchten zweijährige Sperrung – 22.10.2012, LVZ-Online

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: