Karli-Umbau – erbarmungslos?!

Über den bevorstehenden Umbau der Karli wurde lange und intensiv diskutiert: da ging es um Bäume, Parktaschen, Gehwegbreiten, eigene Gleisbetten für die Straßenbahn und wie man da als (eventuell auch einfach auf der „falschen“ Seite dem Auto entstiegener) Fußgänger, als Radfahrer oder Kinderwagenschieber von der einen Straßenseite auf die andere kommt, und um viele weitere Fragen (beim Ökolöwen kann man sich einen guten Überblick zu dem Thema verschaffen). In der Diskussion ging es um die Karli als „Boulevard“, als beliebte Flaniermeile, als lebendige Geschäftsstraße. So unterschiedlich die Interessenlagen sein mögen – darin sind sich wohl alle einig, daß die Karl-Liebknecht-Straße das auch bleiben soll: lebendig, beliebt, zum Flanieren einladend.

Nun wurde von Seiten des Bauträgers zum geplanten Bauablauf informiert – und dieser könnte wohl der Lebendigkeit der Karli recht nachhaltig den Garaus machen. Im Wesentlichen ist vorgesehen, den gesamten Straßenabschnitt – vom Peterssteinweg bis zur Körnerstraße – während der gesamten Zeit des Bauvorhabens (von Januar 2014 bis Dezember 2015, also 2 Jahre lang!) komplett für den PKW-Durchgangsverkehr zu sperren (obwohl innerhalb der Baustelle in Abschnitten gearbeitet werden soll). In den baufreien Abschnitten soll lediglich Anliegerverkehr möglich sein. Die Straßenbahn soll durch die Baustelle verkehren können. Eine Ermöglichung des Radverkehrs durch die Baustelle „wird angestrebt und ist noch zu untersuchen“ (siehe Stadt Leipzig).

Ansässige Gewerbebetriebe, Einzelhändler und Gastronomen sind alarmiert und auch im Interessenbeirat des Bauvorhabens regt sich Widerstand gegen diese möglicherweise folgenschwere Bau(stellen)planung. Für viele steht zu befürchten, eine derart lange Zeit „mit der Baustelle vor der Nase“ (also gänzlich ohne „Einladung zum Flanieren“ – über die gesamte Länge der Umbaustrecke!) nicht zu überleben: dies betrifft vor allem die Einzelhändler und Gastronomen, die auf Laufkundschaft und eine gewisse Umgebungsqualität angwiesen sind. Auch, aber längst nicht nur, auf der Feinkost. Wer sitzt schon gern im Sommer auf dem Freisitz, wenn nebendran die Baustelle beginnt. Doch auch durch die beträchtlichen Einschränkungen des PKW-Verkehrs sehen sich Geschäftsinhaber bedroht, nicht nur weil mit Schwierigkeiten im Lieferverkehr zu rechnen ist. Denn was genau bedeutet „vollständige Sperrung für den Durchgangsverkehr bei Sicherung des Anliegerverkehrs“ für beispielsweise den bewegungseingeschränkten Patienten des Orthopädieschuhmachers, der direkt bis an die Fußgänger-Werkstatt heranfahren können muß? Oder für den überregionalen (ortsunkundigen) Kunden von Goldstein & Co., der nicht auf den Feinkosthof gelangen kann, um ein schweres oder großes Möbelstück abzuholen? – Die Unternehmen sind von dieser Planung, die an ihren Bedürfnissen vorbeigeht, bedroht. Und mit ihnen die von der Stadt bisher immer gern als „funktionierende Magistrale“ hervorgehobene Karl-Liebknecht-Straße.

Aufgrund dieser Befürchtungen hat sich nun die „IG Karli“ wieder/neu/belebt. Als Interessengemeinschaft möchte sie sich nicht dem Umbau der Karli an sich entgegenstellen – aber sie möchte für eine sanfte Sanierung der Karl-Liebknecht-Straße eintreten, gegen eine zweijährige Vollsperrung, welche als sich als tödlich für die (noch) lebendige Magistrale erweisen könnte. Die Karli muß leben!

Neuigkeiten der IG erfährt man bei Facebook!

PS. [21.10.2012] Hier auch der heute bei Facebook erschienene Text zur Sache von der IG Karli, der die Pläne und die damit verbundenen Probleme und Befürchtungen noch genauer umreißt:

Für die sanfte Sanierung der Karl-Liebknecht-Straße – gegen eine zweijährige Vollsperrung. Eine Initiative der IG Karli.

Die gute Nachricht: Die Karli wird schön gemacht, vom Wilhelm-Leuschner-Platz über den Peterssteinweg bis zum Südplatz. Kanalisation, Beläge, Schienen, Fußwege – alles wird neu. Das ist toll. Die schlechte Nachricht: Die Karli soll für die gesamte Zeit der Sanierung komplett gesperrt werden – zwei Jahre lang.

Beim Arzt parken? Vorm Rechtsanwalt, beim Friseur oder am Kinderklamottenladen? Nicht möglich. Den Buggy zum Café schieben, die Brille zum Optiker bringen, Konzertkarten holen am Peterssteinweg? Nicht möglich. 24 Monate lang. Die Nabelschnur zur Innenstadt würde durchtrennt, die Südmeile tot gelegt.2014 bis 2015 soll der 1,2 Kilometer lange Abschnitt der Südmeile für den Verkehr komplett dicht gemacht werden. Mindestens 24 Monate: keine Autos, keine Fahrräder, kein Parken, kein Schlendern nach Süden. Für 1,45 Meter Baufortschritt pro Tag! Nur die Straßenbahn soll fahren dürfen. So wollen es die Leipziger Verkehrsbetriebe.Wohin das führt, sieht man in der Lützener Straße oder beim City-Tunnel: Gewerbetreibende, Ladeninhaber, Gastwirte und Hausbesitzer sind in ihrer Existenz bedroht oder längst Pleite. Straßen veröden. Nebenstraßen werden verstopft von den Lieferfahrzeugen der Läden und Lokale, Mieter kündigen.

Das Gute: Die Alternative liegt auf dem Tisch! Laut Stadtplanungsamt kann die Sanierung in vier etwa gleich großen Abschnitten erfolgen. Jeder Abschnitt würde drei, maximal sechs Monate in Anspruch nehmen. Der Rest der Straße wäre befahr- und begehbar.

Nur die LVB versucht das zu verhindern. Sie möchte ein „Notgleis“ auf der Karli verlegen. Das Notgleis rechnet sich nur für die LVB und nur, wenn die Karli lange Zeit voll gesperrt ist. Die LVB behauptet, damit Verluste zu vermeiden. Aber um welchen Preis?

Ein Vielfaches vom dem, was der städtische Betrieb behauptet zu sparen, ginge Stadt, Land und Bund in der Karl-Liebknecht-Straße an Einnahmen verloren: Hunderte Arbeitsplätze sind in Gefahr, Einkommens-, Gewerbe- und Umsatzsteuern im zweistelligen Millionenbereich brächen weg, wenn die Südmeile abgeriegelt wird.

Wir – die IG Karli und ihre Mitstreiter – wollen unsere lebendige Karli behalten! Mit Ihrer und Eurer Unterstützung kann das klappen! Drückt auf „Gefällt-mir“, teilt die Seite mit allen, die Ihr kennt und die das Leben in der Karli und ihrer Seitenstraßen lieben und schätzen. Erzählt es herum, wendet Euch an Eure Abgeordneten – die Sanierung der Straße wird öffentlich gefördert. Noch ist es nicht zu spät. Am 29. Oktober findet eine Gesprächrunde mit dem Stadtrat statt. Jedes „Gefällt mir“ ist ein Argument, uns zuzuhören. Wir danken sehr!

So könnt ihr helfen!
1.) Drückt „Gefällt mir!
2.) Teilt unsere Seite so oft Ihr könnt, an so viele Ihr könnt!
3.) Erzählt all euren Freunden von dieser Aktion und bittet Sie mit beizutreten.

Henry Jahnke / IG Karli

Advertisements

Ein Kommentar zu “Karli-Umbau – erbarmungslos?!

  1. Pingback: Karli-Umbau: Aber bitte mit Rücksicht // + Presseschau « feinkostblog

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: