Blick #4: Jasiah

Jasiah Oneliner

Das Thema Street Art, welches hier im Blog von Zeit zu Zeit hatte mit betrachtet werden sollen, nimmt irgendwie mehr Raum ein als anfänglich gedacht oder geplant. Passiert da gerade mehr oder sieht das durch unsere (ja noch neuen) Bloggeraugen einfach anders aus? Klar gab es am Anfang einfach noch jede Menge längst dagewesenes zu fotografieren. Trotzdem kommt mir gerade jetzt die Frequenz, in der neues [Schönes*] bei uns auftaucht, irgendwie höher vor als früher. Liegt ja vielleicht auch nur am Sommer?

Auch der Diskurs über Street Art scheint zuzunehmen, und zwar in ganz verschiedene Richtungen: Der „Leipziger Graffiti-Krieg“ (!) einerseits und die denkmalgeschützte Madonna von Blek le Rat andererseits stellen wohl nur zwei (immerhin überregional beachtete) Eckpunkte eines weiten Themenfeldes dar. Auch lokal wird recherchiert & geforscht, diskutiert, betrachtet & philosophiert – längst nicht etwa nur in „szeneaffinen“ Medien und Foren.

Jeder (auch jeder Genossenschafter) hat natürlich seine eigenen Meinungen zu den verschiedenen Beiträgen, die andere von Zeit zu Zeit auf unseren Häuserhäuten hinterlassen – und nicht nur inhaltlich. Doch auch nicht jede Kreation sorgt für den gleichen Gesprächsstoff. Manche regen zur Sinnsuche an; andere wollen nur schön aussehen; einige sind „interessant“, andere irgendwie verunsichernd, wieder andere entlocken einem ein spontanes Lächeln. Manche verbreiten sich wie ein Lauffeuer – hast du das dort-und-dort schon gesehen? Andere ernten Kritik wegen ihrer Hängung, ähem: Positionierung – warum hat der das da jetzt so nah an das andere gemacht? Kann man ja nicht umhängen. Und mindestens eines „unserer“ Kunstwerke hat uns auch schon ein bißchen Geschick abverlangt, um es trotz Wandanstrich-Plänen zu konservieren.

Es kann schön sein, beim Morgenkaffee einen überraschenden, neuen visuellen Input zu entdecken.

Es kann auch schön sein, Menschen beim Entdecken zuschauen zu können, in einer sonnigen Mittagspause. Flaneure, Besucher, Touristen. Manchmal denke ich, auf unseren Feinkostmauern fällt es einigen leichter, das Allerlei an Mitwirkung bei der Gestaltung des öffentlichen Raums zu betrachten, zu begutachten, zu genießen, zu schätzen. Da ist Wohlwollen im Blick, wo man Kopfschütteln erwarten könnte. Da werden Fotoapparate gezückt.

Jedenfalls (um zum Ausgangspunkt zurückzukehren) – wieder #streetart auf dem Feinkostgelände. Jasiah hat die Fassadenansicht der Niederkirchner Straße verschönert: Einen schönen Gruß (Moin!) aus der Ruhrstadt hat er uns hinterlassen und einen tollen „Einstrich“ (oder auch „Oneliner“). Das war auch so ein „Hast du schon gesehen?“.

Der Künstler Leo Namislow sagt über seine Bilder: „Meine Aussagen oder Botschaften? Die kann der Betrachter für sich selber entdecken. Ich will die Menschen freundlich ansprechen. ‚Moin‘ eben“ (Quelle: hier). Mehr über den Künstler erfährt man auf seiner Webseite und hier im Video kann ihm beim Arbeiten in seinem Essener Atelier einen Blick über die Schulter werfen.

*Schönheit liegt selbstverständlich immer im Auge des Betrachters.

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2 Kommentare zu “Blick #4: Jasiah

  1. Ich fotografiere selber sehr gerne „Dinge“, die mich inspirieren. Das sind häufig Bilder, die mich zum lächeln bringen. Das geht von Stencils über Grafitti oder kleine Skulpturen (wie die Mülleimermonster an der Brücke beim Schleußiger Weg).

    Und das, was ich finde, präsentiere ich auch auf meinem blog (z.B. http://saraccino.blogspot.de/search/label/on%20the%20streets) unter dem Tag „On the streets“.

    Das vieles im Auge des Betrachters liegt, teilweise wirklich eher aus Prinzip denn Ästhetik an die Häuser gebracht werden oder gar extremistische, gewaltätige, rassistische, faschistische (etc…) Inhalte haben, das ist alles unbestritten. Dennoch liebe ich immer wieder die unerwarteten Bilder, die kleinen Geschichten, die Kommentare, die mir ganz überraschend ein Lächeln schenken und die mich dazu gebracht haben mit offenen Augen meine Umgebung anzuschauen! :)

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